Lemkenhafens Geschichte 

Wer heute den idyllischen Ort mit den sechs Straßen zwischen Hafen und Mühle erkundet, wird staunen, wie alt Lemkenhafen ist und wie bedeutend es einst war.

 

Lemkenhafen wird erstmals 1076 in kirchlichen Schriften und 1329 im so genannten „Erdbuch" des Dänenkönigs Waldemar erwähnt. Die meisten Dörfer Fehmarns werden damals nach dänischen Heermännern und deren Gütern genannt. Demnach verdanken Lemkendorf und Lemkenhafen ihren Namen der „Villa Lymekonis“. Eine andere Erklärung ergibt sich aus der altsprachlichen Bezeichnung „Lemeken" für Lamm, in Hinweis auf die damalige Bedeutung der Schafzucht.

 

Zwischen 1462 und 1510 ist der Ort mit seinem Handelsplatz, eigenem Bürgermeister, Kirche und Rechtsprechung das wirtschaftliche Zentrum Fehmarns. Bauern, Händler, Fischer, Reeder und Seeleute sind hier zuhause. Lemkenhafen besitzt sogar „Lübsche“ Stadtrechte. Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 48) und die Konkurrenz der holländischen Schiffahrt führen zu einem schwierigen Jahrhundert.

 

Aber Mitte des 18. Jahrhunderts geht es aufwärts. 1771 werden in den 18 Kornspeichern vor Ort sage und schreibe 62.000 t Getreide umgeschlagen. 1787 wird die heute noch als Museum existierende Segelwindmühle errichtet. Das Getreidemahlen, der internationale Handel auch mit Holz und die Fischerei machen Lemkenhafen damals zum reichsten Ort der Insel. An diese Epoche erinnert beispielsweise der Nimbus des Familiennamens Rahlff auf Fehmarn.


 

Leider werden die Schiffe im Lauf der Jahrzehnte für Lemkenhafen zu groß. 1829 werden nur noch 2.200 t Getreide exportiert. Die letzte Mühle Lemkenhafens wird 1954 stillgelegt. Der Hafen versandet. Lemkenhafen wird zum Fischerdorf. Der letzte Berufsfischer gibt um die Jahrtausendwende auf.

 

1967 schlägt die Gründung des örtlichen Segelclubs SVLF ein neues Kapitel für Lemkenhafen auf. Gemeinsam mit weiteren Machern sieht Kurt Kolbaum, der spätere Träger des Bundesverdienstkreuzes, das Potential des verwaisten Hafens. Der Verein verwandelt ihn auf eigene Rechnung zum Yachthafen.

 

Im gleichen Jahr wird die alte Mühle restauriert und als Museum geöffnet. Angesichts der Geschichte Lemkenhafens und seiner Bedeutung als Getreideumschlagplatz wird die Mühle zum Symbol des SVLF.

 

Seit 1967 investieren die Mitglieder des Vereins Millionen in die Anlagen und den Betrieb des Hafens. Natürlich sichert der große persönliche Einsatz der Segler für den Hafen mit Arbeit, eigenen Ideen und Geld nicht nur das kleine Hafenidyll. Der gedeihende, über Jahrzehnte hinweg beliebte Seglerhafen gibt dem Ort auch etwas zurück: als Attraktion für dem Fremdenverkehr mit stetigen Besuchern der örtlichen Gastronomie.

 

Sie kommen mit dem Boot oder über Land mit dem Auto und Fahrrad. Auch die Hotellerie, die Vermieter von Ferienwohnungen und die Bootshallenbesitzer – die ganze zu einem florierenden Hafen gehörende Infrastruktur – profitiert von der weitsichtigen Initiative und der seit annähernd einem halben Jahrhundert gelingenden Bewirtschaftung.

 

Als der Kommune und der Wasser-Schifffahrtsverwaltung Kiel das Budget zum Erhalt der Anlagen fehlt, kauft der SVLF den Hafen, das dazu gehörende Gelände und die Wasserflächen. 2009 stemmt der Verein die Kosten zur Vertiefung der Fahrrinne, neuer Betonnung und Befeuerung zur Ansteuerung, welche nun auch nachts möglich ist.

 

Mittlerweile ist Lemkenhafen mehr als ein Eldorado für Segelsportbegeisterte: ein beliebtes Urlaubsziel für Jung und Alt. 

 

Allerdings erfordern Überalterung und zunehmende Beliebigkeit in der Freizeitgestaltung Geschick und Weitsicht. Nur mit einem gastfreundlichen Hafen, im dem sich die Mitglieder wohlfühlen und den Besucher gerne ansteuern, lassen sich künftige Aufgaben gemeinsam meistern.

 

Dank für die Recherche an Norbert Brück und Hermann Krebs (Lemkenhafen), an Rudi Kremer, den langjährigen Vorsitzenden und heutigen Kommodore, sowie Klaus Rutsch, das langjährige Vorstands- und Ältestenratsmitglieds des SVLF.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
Eingetragen ins Vereinsregister Burg/Fehmarn am 24. August 1967